..oder: wie überlebt das menschliche Hirn den Angriff der “Bachelorette” und Co?..
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omentan liegt wieder eine Affenhitze über Deutschland – über 35° Celsius machen den Aufenthalt im Freien nicht wirklich zu einem Vergnügen. Selbst das sitzen in Biergärten ist eher ein Stresstest für das 96 Stunden Antitranspirant als ein Freizeitvergnügen. Schön für den, der ein Zuhause hat, welches eine kühle Zufluchtsstätte bereithält. Während aus meiner Klimaanlage also 5° kalte Luft ins Wohnzimmer strömt, die zumindest einen Raum zu einem “Refugium Frigus” macht, und die Temperaturen hier auf herrlich angenehme 18,5° Grad heruntergekühlt sind, darf man sich in den anderen Räumen durch eine zwischen 26° und 27° Celsius liegende Tropenluft kämpfen, die dafür sorgt, dass derlei Expeditionen nur bei Überlebensnotwendigen Notfällen gestartet werden – also um zum Beispiel in der Küche neue Eiswürfel aus dem Kühlschrank in das Glas Schorle prasseln zu lassen – oder um die Feuchtzelle aufzusuchen. Das Bett im Schlafzimmer habe ich seit 2 Tagen nicht mehr aufgesucht – ich “biwakiere” hier im Fernsehsessel.
Dadurch, dass andere Räume – bis auf gelegentliche wissenschaftliche Exkursionen (wie zum Beispiel um zu prüfen, ob die Tapeten in den anderen Räumen noch nicht von spontaner Selbstentzündung bedroht sind) – eine Besuchsfrequenz haben, die gegen <0 geht, und sich das Leben hauptsächlich im Wohnzimmer abspielt, wird auch mehr mediales verkonsumiert.
Dabei merkt man, dass man mitten im Sommerloch gelandet ist, denn das Fernsehprogramm ist so sinnentleert, dass man die Glotze am liebsten ausschalten würde – wenn nur die blöde Fernbedienung nicht schon wieder außer Griffweite wäre und man sich grade so bequem in den Sessel gefläzt hätte.
Eine Sendung soll besonders erwähnt werden (warum ist nur auf Zigarettenpackungen eine Warnung, dass der langfristige Konsum schwere Gesundheitsschäden nach sich ziehen kann?) – “die Bachelorette” auf RTL ist quasi das weibliche Pendant zur “der Bachelor”- Show. Nur dass eben nicht 20 Hobbynutten distinguierte Singlefrauen, versuchen einen Kerl flachzulegen ihre große Liebe zu zeigen, sondern dass die ‘Trainingsgruppe 2’ der Chippendales dies bei einer Poledance-Tänzerin Musical-Darstellerin tun.
Diese beidseitige Phrasendresch-Endlosschleife erinnerten stark an Sportlerinterviews, denn die gegenseitig über den Gegner, bzw. LAG in Spe geplapperten Statements waren herrlich austauschbar und völlig ohne Substanz: “ich werde mein Bestes geben”, “der Gegner war stark, aber ich hatte das Quäntchen mehr Glück”, “Man(n) kann nicht immer gewinnen”, “vor dem Beischlaf ist nach dem Beischlaf”, usw..
Warum die junge Dame, die im richtigen Leben eine eigene Webseite hat, und darauf durchaus einige Skills verrät, die vermuten lassen, dass Sie genügend schauspielerisches Talent besitzt, diese Dating-Farce nach außen hin wenigstens halbwegs glaubhaft rüber kommen zu lassen, ist Grund genug an den wahren Beweggründen zur Partnersuche zumindest Zweifel anzumelden.
Die Geschichte, dass Sie im Alter von 26 nach einer längeren Beziehung mit einem verheirateten Mann nun die große Liebe sucht (wir alle wissen ja, dass große gutaussehende Blondinen aus dem Showbizz Probleme haben den Partner fürs Leben in ihrem beruflichen Umfeld zu finden – weshalb Sie dies unglücklicherweise in Dating-Shows vor Millionenpublikum tun müssen) – also nee, wer das für bare Münze hält, der glaubt auch noch an den Weihnachtsmann. Verwirrender als das Testosteron geschwängerte Gebalze der männlichen Anabolika-Abonnenten war, dass einige der Möchtegern-Deckhengste tatsächlich so etwas wie Fanclubs haben und weibliche Groupies “Ihre” Favoriten bei diesem Kopulations-Verdrängungswettbewerb anfeuern.
Am Ende der Sendung war ich nassgeschwitzt – und das kam nicht, weil es so heiß war. Der Versuch meines Verstandes die ganzen logischen Brüche aufzufangen ließen mein Gehirn auf Volllast laufen.
![]() | © RTL – typischer Bachelor Teilnehmer. Körperlichkeit vor Intelligenz – Flachlegen um des Egos Willen. Sicherlich ein Partner fürs Leben – wenn man eine Eintagsfliege ist |
“Die Bachelorette” war schlimm – keine Frage. Doch eine Sendung hat noch mehr Eindruck hinterlassen (oder, wie die neue Bachelorette es ausdrücken würde “geflasht”) – weil ich hinterher Kopfschmerzen hatte ob der ganzen bizarren Irrungen und Wirrungen und den ganzen Klischees, die der Plotschreiber bemühen musste, um eine dünne fünfminütige Geschichte auf eine qualvolle ganze Stunde zu strecken. Das war eine Folge aus der Serie “Die Trovatos – Privatdetektive decken auf”.
Hier der Versuch die Geschichte kurz darzustellen:
1. auf Schrottplatz verschwinden seit längerem Teile. Schrottplatz ist deshalb kurz vor Ruin. Schrottplatzbesitzer verdächtigt seinen Schwager, der bei Ihm arbeitet. Nebenbei droht er Ihm mit Prügel. ich vermute der Drehbuchschreiber hat noch nie im Leben gearbeitet – oder keine Ahnung von Arbeitsrecht.
2. Frau des Schrottplatzbesitzers besucht Ihre Schwester und stellt fest, dass dort ein neuer teurer Kühlschrank steht, obwohl Schwester arbeitslos und chronisch pleite ist – Verdacht erhärtet sich – der Schwager war’s. Schrottplatzbesitzer möchte ihn verprügeln. Ich habe auch einen Verdacht: Der Drehbuchautor lebt seine Gewaltphantasien aus..
3. Schrottplatz erhält ein Sicherheitstor – die Diebstähle gehen weiter. Schrottplatzbesitzer verdächtigt nun alle Angestellten. Die sind deshalb etwas beleidigt. Schrottplatzbesitzer möchte die ebenfalls verprügeln. Ich bin nun sicher: der Drehbuchschreiber weiß nicht mal wie das Wort Arbeitsrecht geschrieben wird.
4. Frau des Schrottplatzbesitzers besucht einen Tag später Ihre Schwester, die Sie nicht in die Wohnung lässt. Frau verdächtigt nun Ihre Schwester. Ihr Mann spielt in der Szene nicht mit. Deshalb ca. 5 Minuten lang keine Androhung von Prügel im TV.
5. Ein Ermittler der Versicherung kommt einige Zeit später um die Schadensersatzansprüche zu prüfen und spricht das Wort Versicherungsbetrug aus. Frau des Schrottplatzbesitzers verdächtigt nun Ihren Mann (falls hier schon jemand bei der Story ins schwimmen kommt – es ist der Schrottplatzbesitzer). Wahrscheinlich würde der Schrottplatzbesitzer Sie verprügeln, wenn keine Kamera in der Nähe wäre. Ich fülle mir um die Gewaltgeladene Szene zu überstehen ein neues Glas Alster ein..
6. obwohl die Firma wegen dem Diebstahl von Ersatzteilen im Wert der riesigen Summe von 5.000 € (in Worten Fünftausend) ruiniert sind, wenn die Versicherung nicht zahlt, hat die Ehefrau genug Geld um die Privatdetektive der Detektei Trovato zu beauftragen, den Täter zu ermitteln. ich bin am zweifeln: arbeiten Privatdetektive neuerdings unentgeltlich? Natürlich werden im geheimen Kameras auf dem Gelände des Schrottplatzes installiert. Ihr Mann darf das aber nicht wissen. Aber ab jetzt ist wieder jeder verdächtig. Ihr Mann macht beim verlassen der Angestellten bei denen eine Taschenkontrolle, die sich verdächtigt fühlen und protestieren. Schrottplatzbesitzer würde Sie gern verprügeln. Meine Toleranz über die Unwissenheit des Plotschreibers zu aktuellem Arbeitsrecht ist erschöpft – und mein Glas Alster ist auch schon wieder leer..
7. ein anderes Ermittler Team beschattet die Schwester der Frau des Schrottplatzbesitzers. Die geht mit Ihrer Tochter in einer Edelboutique einkaufen und kauft Ihr eine teure Jacke. Doch die Schwester ist arbeitslos und hat eigentlich kein Geld. Na? Wer ist jetzt verdächtig? Na klar, die Schwester wieder. Ich wundere mich kurz, wie eine „Edel-Boutique“ in eine Mall kommt und von innen aussieht wie ein KIK-Laden – blende dies aber schnell aus, weil die nächste Szene meine volle Aufmerksamkeit erfordert..
8. beim nächsten Besuch der Frau des Schrottplatzbesitzers, werden Ihr Videos der Überwachungskameras vom Firmengelände gezeigt. Zur Überraschung aller Beteiligten hat ein Mechaniker (Alter 44 verheiratet mit Kind) ein Verhältnis mit der Nichte der Frau (Alter 17 Jahre und in der Pubertät, was natürlich alles erklärt) des Schrottplatzbesitzers – genau der Tochter Ihrer arbeitslosen Schwester – damit ist nun wer verdächtig? Wer weiss es, wer weiss es? Genauuu! Die Tochter der Schwester – eigentlich. Doch erstaunlicherweise wird überhaupt nicht weiter in die Richtung ermittelt. Ich bin verwundert – auch darüber dass das Alster schon wieder alle ist..
9. den nächsten Tag entdeckt der Schrottplatzbesitzer (dessen Frau die Detektei Trovato beauftragt hat) die Kameras. Natürlich denkt er, ER würde von den Dieben ausspioniert und will sich gleich an den Detektiven, die er draußen im Auto erspäht und für die Diebe hält, vergreifen und Sie verprügeln. Ich versuche meinen Verstand zu beruhigen: im wirklichen Leben verstecken sich Detektive sicher besser. Die Frau gesteht Ihrem Mann, dass Sie die Detektei beauftragt hat. Mann ist außer sich vor Zorn und würde Sie gern verprügeln, oder die Angestellten, oder den blöden Kameramann, der immer dabei ist, oder, oder.. Ich lasse das Fass Warsteiner auf der Küchenanrichte stehen – es lohnt sich nicht das immer wieder in den Kühlschrank zu stellen..
10. Du glaubst schlimmer kann’s nicht mehr werden? Denkste – das war erst die erste halbe Stunde –
11. Der Schrottplatz wird nun rund um die Uhr in Zweierteams observiert. Ich fange an zu rechnen: Bei einer Bewachung durch ein Zweierteams und geschätztem Stundensatz von 40 € pro Person kostet so ein Tag schlappe 1920 € (24 Stunden x 2 Personen x 40 € = 1.920,- €). Die Detektei arbeitet seit mehreren Tagen für die Frau. Ich frage mich, wo SIE das Geld her hat, wo doch die Firma von dem Verlust von knapp 5000 Euro schon fast pleite ist – ich halte Sie deshalb für die Täterin. Ich rutsche auf meinem Fernsehsessel unruhig hin und her und fülle mir zur Ablenkung ein neues Glas Alster ein: Dem Drehbuchautor fehlt anscheinend auch jeglicher Hauch Wissen von BWL. Das Bier läuft nur noch tröpfelnd – ich vermute irgend etwas verstopft den Zapfhahn..
Damit das ganze nicht zu unübersichtlich wird, habe ich unten das von einem Profiler erstellte Diagramm der gegenseitigen persönlichen Wechselbeziehungen der Protagonisten:
12. Am nächsten Morgen fährt vor der Öffnungszeit ein PKW auf den Hof. Das erscheint den Detektiven verdächtig – ich habe Probleme dem Handlungsstrang zu folgen und nicke nur mit offenem Mund. Die Detektive rennen auf den Hof um den Fahrer des PKWs zu identifizieren. Er hat den Kofferraum seines Autos geöffnet, indem sich Alufelgen befinden. Nachdem die Ermittler dem Verbrecher die Kapuze herunterziehen stellt sich raus – es ist der Mann der Schwester der Frau des Schrottplatzbesitzers (klar?). Warum der Schrottplatzbesitzer während des Zugriffs aus der Halle kommt und nicht gehört hat, dass jemand mit einem Auto auf seinen Hof geprescht ist und Alufelgen scheinbar geräuschlos aufeinanderstapelt ist unklar – ich habe aber auch aufgegeben in dieser Posse irgendetwas logisches zu finden. Das Konzept der Unlogik setzt sich folgerichtig fort, denn der Schwager kann flüchten und ist fortan verschwunden. Natürlich ist er jetzt verdächtig – Ach ja und der Schrottplatzbesitzer möchte Ihn natürlich verprügeln.
13. Die Frau des Schrottplatzbesitzers besucht den nächsten Tag Ihre Schwester und kann nicht glauben, dass Sie nichts von den Diebstählen wusste, weil Sie ja auch offensichtlich trotz Arbeitslosigkeit Geld hatte. Deshalb ist Sie nun natürlich auch verdächtig.
14. Die Detektive ermitteln weiter und stellen fest, dass die eigentlich Arbeitslose wieder in Ihrer früheren Firma arbeitet. Die Frau des Schrottplatzbesitzers besucht daraufhin Ihre Schwester mit diesen Erkenntnissen und möchte eine Aussprache. Ihre Schwester gibt zu, wieder in der alten Firma zu arbeiten, was aber Ihr Mann keinesfalls wissen darf, da Sie ein Verhältnis mit Ihrem Chef hatte. Mir sträuben sich die Nackenhaare: Wiedereinstellung nach Verhältnis mit dem Chef? Ich überlege ob ich in meinem Berufsleben was falsch gemacht habe, dass ich diese Option der Jobsicherung nicht bedacht habe..
15. Der verdächtige Schwager ist immer noch verschwunden. Doch bei Durchsicht der Videos wird ein Telefonat aufgezeichnet zwischen einem Mechaniker und dem Verdächtigen selber. Sie wollen sich in einer Kneipe treffen. Die Detektive zeichnen das Gespräch in der Kneipe mit der Brillenkamera auf. Ich wundere mich, dass man den Ton von einem knapp 6 Meter entferntem Gespräch mit einer Brille aus einem YPS-Heft aufzeichnen kann, versuche aber dies zu verdrängen. Ich atme gepresster: Ich ahne wir sind der Lösung nahe. Der Schrottplatzbesitzer weiß davon nichts – er würde sonst wahrscheinlich beide verprügeln.
16. keine 30 Sekunden später ist meine Hoffnung dahin und ich den Tränen nahe. Der vermeintliche Diebstahl des Schwagers war keiner – auf den ausgewerteten Videos ist zu sehen, dass er die Teile nicht klaut, sondern zurückbringt.
17. Die Detektive schnappen sich den Schwager als er aus der Kneipe kommt und wollen endlich wissen was er weiß. Der sagt, dass er die Sachen bei seiner Tochter gefunden hat. In meinem Kopf platzt eine Ader: haben weibliche Teenager neuerdings einen Satz Alufelgen in Ihren Pinkfarbenen Kleiderschränken? Das Bierfass ist erschreckend leicht – ich schaue ob es ein Leck hat und die Küchenanrichte feucht – Nein, alles trocken – seltsam..
18. Die Frau des Schrottplatzbesitzers besucht Ihre Schwester um Sie über die neue Info zu informieren. Die Tochter gesteht die Autoteile gestohlen zu haben und bricht in Tränen aus. Dieser Tränenausbruch ist so schlecht gespielt, dass ich mich frage wie hoch die Gage bei diesen Produktionen ist, wenn man solch schlechte Laiendarsteller castet. Auch erstaunlich: normalerweise klauen Mädels Klamotten, oder Kosmetik und keine Automotoren – die passen so schlecht ins Lous Vuitton- Täschchen.
Ich habe aber aufgegeben und kämpfe nicht länger gegen die krude Story an – stattdessen fällt mir auf, dass ich aus Verzweiflung ein ganzes 5 Liter Fass Warsteiner Pils gesüpselt habe.
19. Die Detektive statten die Tochter der Schwester der Frau des Schrottplatzbesitzers mit einer Knopfkamera aus. Sie wollen dass Sie Ihren Geliebten besucht und ihn zu einem Geständnis bringen. Die Tochter sagt, dass Sie nicht mehr für Ihn stehlen wird – er bedroht Sie und die Detektive greifen rettend ein. Der Bösewicht wird in Handschellen abgeführt. Mir rollen Tränen der Erleichterung die Wangen herunter – ich hatte nicht mehr daran geglaubt, dass die Auflösung noch in dieser Folge erfolgen würde – ich hatte mich bereits auf einen Mehrteiler eingerichtet. Meine Meinung steht endgültig fest – der Drehbuchautor wäre selbst mit dem Schreiben eines Handlungsstranges für einen Hardcore-Porno überfordert.
20. Der Schrottplatzbesitzer und seine Frau besuchen die Schwester und Ihren zu Unrecht verdächtigten Mann. Reumütig bittet der Schrottplatzbesitzer um Entschuldigung. Erstaunlicherweise will er seinen Schwager diesmal nicht verprügeln. Ich bin völlig verwirrt und gebe auf – bin aber froh, dass ich dieses grausame Stück aus der Abteilung „Zuschauerfolterung“ überlebt habe – ob mein Verstand Schaden genommen hat? Ich weiß es noch nicht – fürchte aber, dass längerer Konsum mich alkoholabhängig machen könnte – ich lösche den Sender RTL von der Fernbedienung..
Datum letzte Änderung: 21.07.2014 10:29 Uhr