Hardwaretest

  • DJI OM4 – der neue Gimbal im Test..

    .. oder: Kühlschrank-Magnet meets Gimbal – lohnt sich der Kauf des neuen DJI OM4?

    DJI – bekannt für hochwertige Drohnen und Gimbals hat einen neuen Handheld Stabilizer für Smartphones herausgebracht. Die Bezeichnung des Vorgängers OSMO MOBILE 3 wurde stark gekürzt: Er heißt nur noch OM 4. Lohnt sich der Umstieg für Besitzer des Vorgängers? Die Antwort des bekannten Tiktokers ‘@herranwalt’ würde wohl lauten: “es kommt drauf an”..

    DJI OM4 vs Mobile 3

    (Bild links: Osmo Mobile 3 und OM4 im direkten Vergleich. OK, auf dem ersten Blick ist die Farbe anders. Die wichtigste Neuerung ist die innovative Magnetfassung für ein schnelles Quick Release des Smartphones vom Gimbal)

    Tatsächlich ist der Gimbal fast identisch mit dem Vorgänger (Testbericht hier!). Wäre er nicht in einem hellen Grau, statt in dunklem Grau würde man im ersten Moment keinen Unterschied erkennen. Die Funktionstasten und Funktionen sind identisch bis auf ein paar Kleinigkeiten. Erst auf den zweiten Blick fällt die geänderte Klammer zur Befestigung des Smartphones auf.

    Hier hat DJI an die ganzen Influencer, Youtuber und TikToker gedacht – das Handy wird nämlich nun mittels Magnethalterung im Bruchteil einer Sekunde vom Gimbal getrennt und eingespannt. Dies liegt an einer Metallklammer welche an den mit einem starken Magneten ausgerüsteten Haltearm einfach angeklippst wird. Die Klammer kann nach dem lösen vom Gimbal am Handy bleiben und stört im Betrieb nicht, oder sagen wir  kaum. Damit entfällt das zeitaufwendige justieren bei jedem neuem Einsatz des Gimbals. Die Klammer wird quasi nur einmal um das Smartphone geklipst (zur gleichmäßigen Gewichtsverteilung sollte das mittig sein) und von da an reicht es das Handy in die Nähe des Haltearms zu bringen und schon springt das Handy fast von alleine aus der Hand an den Gimbal und man kann losfilmen.

    Die Klammer ist flach und stört wie geschrieben kaum – bei einigen Handys kann Sie aber im ungünstigsten Fall den Ein/Aus Schalter blockieren. Bei meinem Huawei P30 Pro ist es eine Fummelei mit dem Fingernagel – da sich das Handy aber auch über den Fingerabdrucksensor im Display entsperren lässt, ist das verschmerzbar.

    Eine zweite Möglichkeit geht einen Schritt weiter. Es gibt einen Aufkleber in Kreisform, der permanent auf die Rückseite des Handys geklebt bleibt – dadurch ist aber bei den Handys mit induktiver Ladefunktion, diese nicht mehr nutzbar und die Benutzung einer Schutzhülle zum Schutz des Smartphones bei einem Fall ist unter Umständen ebenfalls nicht mehr möglich.

    OM4 vs. Osmo Mobile 3 Clipbefestigung croppedDer Gimbal kostet knapp 145,00 € und war einen Tag nach der Bestellung auf der DJI-Webseite schon bei mir – schneller geht’s wirklich nicht. Im Vergleich zum Vorgänger gibt es aber kein Bundle.

    (Bild rechts: Der OM4 in der praktischen Hardcover Box des Osmo Mobile 3. Aufgrund identischer Abmessungen passt der Gimbal perfekt – aber die Box ist leider beim Kauf des OM4 nicht dabei. Hier sieht man ganz gut die Befestigungsklammer, die trotz 2-3 mm dicker Bumper-Hülle das Handy (hier mein HUAWEI P30 Pro) sicher hält.)

    In der fast gleich großen Verpackung des Vorgängers ist der Gimbal, ein dreibeiniger Standfuß, ein Transportbeutelchen, ein USB-A auf USB-C Ladekabel, eine magnetische Halteklammer zur temporären Befestigung, ein magnetisches Klebepad für dauerhafte Befestigung am Handy, eine klare Folie als Schablone zur Befestigung, ein Abstandspad für die Klammer zur Nutzung bei dünnen Smartphones wie iPhone 7, 8, SE2 bzw. Samsung S8 etc. und 2 spezielle klare Plastik-Pads als Klebepad-Halter für Handys mit Glasboden.

    Der magnetische Ring kann auch noch ausgeklappt werden und dient dann als Handyständer (oder man kann auch seinen Finger reinstecken und kann das Handy dann sicherer halten). Bei meinem HUAWEI P30 Pro habe ich als dauerhafte Befestigung das Klebepad gewählt. Die Schutz-Hülle aus klarem Kunststoff passt trotzdem noch über das Handy auch wenn es sich auf der Rückseite leicht wölbt. Auf die Möglichkeit des induktiven Ladens muss man aber ab dann verzichten. Wer das Klebepad nicht nutzt – es ist auch ein ausgezeichneter Kühlschrank-Magnet.


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    Lt. Hersteller sind die Motoren des OM4 stärker als die des Osmo Mobile 3. Dadurch ist die Zentrierung nicht millimetergenau nötig. In der Vergangenheit war dies häufig ein Schwachpunkt, weil der Gimbal dann anfing zu zittern und mit Fehlermeldungen die Aufnahme störte. Die Motoren sind im Betrieb auch nicht zu hören – das macht sich positiv bei Videoaufnahmen mit Ton bemerkbar. Es gibt kein störendes summen oder brummen, was mit aufgezeichnet wird. Qualitätsmäßig ist also alles Tutti..

    Die Optik und Haptik des Gimbal ist gut und entspricht den hohen Qualitätsstandards von DJI.  Der Pistolengriff ist leicht abgewinkelt – dadurch ist Unterarm und Handgelenk in grader Linie, was eine entspannte  Haltung ermöglicht. Am hinteren Ende des Griffs, also an der Handballenauflage, ist er leicht gummiert.  Das verhindert bei schweißtreibenden Sport-Aufnahmen ein wegrutschen. Die Bedienungselemente sind mit einer Hand zu bedienen. Ein Rändelrad für den Zoom, wie es bei einigen anderen Herstellern der Fall ist, fände ich aber sanfter zu dosieren als den Schieber, der sich nicht besonders gut dosieren lässt. Grade wenn das zoomen so verbuggt ist wie beim OM4. Doch dazu unten später mehr.

    DJI OM4 – der neue Gimbal im Test..

    (Bild rechtss: Die MIMO-App. Die Schaltzentrale des OM4. Leider ist Sie der Meinung, jedes Video müsste von anderen Menschen gesehen werden. Dies kann man auch nicht in den Voreinstellungen abstellen. Ein Tiefschlag für den Datenschutz. Auch die zahlreichen Vorlagen sind zwar nett – aber wer will schon andauernd engliche Texte durch seine Videos flimmern sehen?)

    DJI wirbt mit neuen Videomodi – unter anderem mit dem Vertigo-Effekt (Erklär-Video HIER). Da der aber nicht im Gimbal implementiert ist, sondern in der MIMO App ist der Effekt auch für den Vorgänger verfügbar.  Diesen Effekt haben andere Gimbals auch – ich erinnere mich noch an meinen Zhiyun Smooth 4, der diesen Effekt hatte – aber nie richtig funktionierte, weil es fast nie gelang mit dem Zoom das Objekt gleichmäßig zu erfassen während man sich darauf zu oder weg bewegte.

    Der OM4 macht das automatisch – aber leider auch nicht besser. Trotz Watschelgang und höchster Anstrengung das Motiv im Auswahlfeld zu behalten war das fertige Ergebnis enttäuschend – mal wackelte es, mal wurde es unscharf als hätte David Hamilton persönlich die Objektive der Kamera mit Vaseline bepinselt um in den “Bilitis” Modus zu kommen. Oder man könnte auch kurz sagen: der Modus ist für die Tonne. Gut, auf den Werbevideos sieht das toll aus – vielleicht bin ich ja auch nur zu blöd..

    Es gibt auch noch die Möglichkeit ein Video mit Bokeh-Effekt aufzunehmen, welches das Motiv scharf darstellt und den Hintergrund unscharf – auch dieser Modus überzeugte mich in der Praxis nicht wirklich. Das schafft mein Huawei P30 Pro mit der normalen Kamera sogar besser.

    Die MIMO App, die für das steuern der Effekte zuständig ist und als Editor mit vielen Vorlagen fundiert hinterlässt bei mir einen geteilten Eindruck. Zum einen ist Sie mir zu sehr mit Werbung in eigener Sache überladen, zum anderen möchte die App fast jedes Filmchen direkt in der Community veröffentlichen. Ein falscher Klick und das romantische Date mit deiner Freundin wird von Millionen Usern gesehen. Datenschutz? Na, jetzt lachen wir mal alle ganz laut!

    Dazu kommt, dass die vielen Vorlagen nicht wirklich zu bearbeiten sind. DJI ist sehr erpicht darauf Texteffekte in die Videos einzubinden. Ja, die meisten sind recht hübsch – aber leider sind sie alle auf Englisch. Könnte man Sie bearbeiten oder wenigstens löschen, wäre es ja in Ordnung. Aber so? Nee. Der einzige Grund, warum ich die App nicht gleich wieder vom Handy gefeuert habe, ist, weil ich ohne Sie die Funktionen des Gimbals nicht steuern könnte. Das macht Apples kostenloses iMovie 1000x besser!

    Was die unterstützten Photo-Handys angeht: Die Smartphones von SAMSUNG, HUAWEI und den Tochtergesellschaften werden seitens DJI bestens unterstützt – doch Besitzer anderer Hersteller sollten besser vorher einen Blick auf die Kompatibilitätsliste von DJI werfen um böse Überraschungen zu vermeiden.


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    Damit könnte dieser Test auch schon enden, denn es gibt sonst nichts erwähnenswertes, was den OM4 vom Osmo Mobile 3 unterscheidet. Doch im Detail:

    DJI OM4 Boxinhalt-small

    (Bild links: Überschaubar – so ist die erste Reaktion, wenn man den Karton des neuen OM4 Gimbals aus dem Hause DJI öffnet. Das Zubehör ist in einem flachen Kartönchen, welches obenauf gelegen hat)

    Die Frage, ob es sich lohnt den OM4 (der Vorgänger kostet auf der Herstellerseite 126,00 € als Bundle inklusive dem praktischen Transport-Etui im Wert von 29,00 € – der OM4 dagegen 145,00 € ohne die Box – das sind bereinigt fast 50% mehr!) zu kaufen muss jeder für sich selbst entscheiden. Ok, diese magnetische Halterung erspart viel Zeit beim justieren – aber man spannt ja normalerweise nicht x-mal am Tag das Handy in den Gimbal. Für die Generation TikTok mag es sinnvoll sein, aber mich hätte eher eine 360° Panorama- Funktion beeindruckt oder wie man ja heute gerne sagt, “geflasht”.

    Die Verbindung zum Smartphone wird, wie beim Vorgänger auch schon über Bluetooth 5.0 aufgebaut. Dass der Gimbal motormäßig stärker ist und größere Handys (sogar mit Aufsatzobjektiv) hineinpassen ist schön – aber DJI ist natürlich selber daran interessiert, dass der Gimbal von möglichst vielen Handybesitzern gekauft wird. Das ist wohl eher Eigennutz als echtes Kundeninteresse.

    Fototechnisch gibt es auch nicht wirklich viel neues, was einem vom Hocker haut, bis auf das neue CloneMe Panorama: Die Kamera erstellt automatisch ein Panorama-Bild, aber lässt dem Fotografen genug Zeit sich bei jedem neuen Bild in Position zu stellen – aber leider nur eine 240° Grad Aufnahme.

    Für die Fans der bewegten Bilder, gibt es bei Videos die bekannten Modi HDR-Video, Hyperlapse, Zeitraffer, Zeitlupe und normales Video und die neuen Effekte Dynamischen Zoom und SpinShot (das drehen der Kamera um die Längsachse – dieser Effekt ähnelt dem, der gerne angewandt wird, wenn ein Fussball im Tor landet und sich die Kamera dreht, als wäre Sie getroffen worden).


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    Diesen Effekt kann man aber dämlicherweise nicht durch drücken eines Buttons auf dem Gimbal starten, sondern man muss dafür in die Einstellungen. Der Joystick des Gimbal setzt die Bewegungen dann statt schwenken in Rotation um. Will man wechseln muss man immer erst umständlich ins Menü zurück – eine Videounterbrechung ist immer die Folge. Das finde ich unelegant gelöst. Da hätte man Softwaremäßig das ein und ausschalten auf einen der Buttons legen können.

    Schade ist auch dass die tollen Fotomöglichkeiten des HUAWEI P30 Pro nicht genutzt werden können. Wo die Kamera mit der eingebauten Kamera-Software bis zu 50 fachen Zoom ohne Gimbal erlaubt, ist im Gimbal mit der Mimo-App bei 10fachem Zoom sowohl bei Videos, wie auch bei Fotos bereits Schluss – dabei ist ja gerade der Gimbal als Stabilisator der Kamera dafür gedacht auch solche Aufnahmen einigermaßen erfolgreich zu realisieren. Auch die Bedienung des Zoom-Buttons ist noch verbuggt.  Das hineinzoomen funktioniert stufenlos, aber wenn man aus einer hohen Zoomstufe herauszoomen will, zoomt die Software nicht langsam hinaus, sondern springt sofort zurück auf Zoomstufe 1. Das ist natürlich völliger Käse..

    Hier ist im einzelnen eine Übersicht der Funktionen im Vergleich:

    OM4OM3
    magnetisches DesignX
    mechanische BefestigungX
    kompakt u. faltbarXX
    Story-ModusXX
    GestensteuerungXX
    Active Track 3.0XX
    Sport-ModusXX
    Quick RollXX
    Dynamic Zoom (Dolly Zoom)XX
    CloneMe PanoramaX
    HyperlapseXX
    MotionlapseXX
    ZeitrafferXX
    Bokeh-EffektXX
    HDR-VideoXX
    SpinShotXX
    ZeitlupeXX
     Panorama240°180°
    3×3 PanoramaXX
    Taschenlampen-ModusX
    EinhandsteuerungXX
    Stand-By ModusXX
    Mimo AppXX

    Wie man sieht, hat der OM4 bis auf den Taschenlampen-Modus (was der auch immer vermag)  ein etwas weiteres Panorama und das CloneMe-Panorama  nicht mehr zu bieten als der Mobile 3.

    Als Fazit würde ich ziehen: Ja, kann man kaufen – muss man aber nicht, wenn man den OSMO Mobile 3 besitzt – zu minimal sind die Verbesserungen zum Vorgänger – zumal sich DJI beim Preis einen ordentlichen Schluck aus der Pulle nimmt. Da viele Funktionen auf der App basieren, ist der Vorgänger damit auch ordentlich aufgewertet worden.

    Wie schaut es bei euch aus? Wollt Ihr den OM4 kaufen, oder habt Ihr schon? Oder bleibt Ihr beim Vorgänger, dem OSMO MOBILE 3 – oder sogar bei der 2er Version? Wie sind eure Erfahrungen mit Smartphone Stabylizern aus dem Hause DJI?

    Der DJI OM 4 im Test

    Preis/Leistungsverhältnis - 70%
    Aussehen - 84%
    Verarbeitung - 85%
    Haptik - 88%
    Kompatibilität - 66%
    Installation - 88%
    Zubehör - 86%
    Energieverbrauch - 85%

    82%

    Gesamt

    Der "Neue" hinterlässt bei mir einen geteilten Eindruck. Ja, diese Magnetbefestigung ist innovativ - aber so richtig aus dem Quark gekommen den Gimbal entscheidend zu verbessern ist man nicht. War der Sprung von Version 2 auf 3 ein Quantensprung, dann ist der Sprung von 3 auf 4 eher ein Hüpfer über eine Hürde - die man reisst. Es gibt immer noch kein 360° Panorama, die MIMO App ist zu schwatzhaft, das zoomen funktioniert nicht wirklich gut, die tollen Kamerafunktionen des Huawei P30 Pro werden nicht unterstützt, den Spinshot Modus erreicht man nur umständlich über das Mimo-Menü, was wertvolle Sekunden kostet.. Es gibt einiges was man hätte besser machen können. Man fragt sich was die Jungs von DJI letztes Jahr gemacht haben? Das planen dieser Klammer kann ja kein Jahr gedauert haben.. Es bleibt zu hoffen, dass DJI nachbessert - mechanisch ist der Gimbal Top, die Macken sind in der Software. Eine klare Kaufempfehlung kann ich nicht aussprechen. Meiner Meinung ist der Vorgänger Osmo Mobile 3 das bessere Angebot: er hat fast alles, was der neue OM4 auch hat, kostet aber wesentlich weniger.

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  • Die QNAP TS-431P2 im Test..

    ..oder: macht ein NAS-Laufwerk für Heimanwender Sinn?

    Vorab zur INFO: Dieser Beitrag ist nicht fremdfinanziert oder vom Hardwarehersteller gesponsort worden. Ich habe die QNAP von meinem eigenen Geld gekauft – der Test spiegelt also die Realität aus Sicht eines Käufers und Anwenders wieder.

    Die QNAP TS-431P2 im Test..Bisher diente mir jahrelang eine DriveStation Quad von BUFFALO als zuverlässiges Sicherungsmedium. Als Netzlaufwerk freigegeben und mittels schnellem USB 3.0 an ein Notebook angeschlossen, diente es meinem kompletten Rechnerbestand (immerhin 3 Notebooks und 1 PC) im Heimnetz als Backup-Medium. Da die DriveStation auch RAID 5 unterstützt war Sie sowohl sicher als auch effizient beim Festplattenspeicher.

    Als Sicherungssoftware wurde das von der deutschen Software-Firma Novastore entwickelte “NovaBACKUP” eingesetzt. Diese war seinerzeit (die Quadstore ist bereits seit 2012 bei mir im Einsatz) als kostenlose Vollversion bei der Buffalo Quadstore beigelegt. Da mich die Leistungsfähigkeit der Software überzeugte setze ich Sie auch heute noch ein.


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    Der Ausschlag für den Kauf der lokalen USB-Lösung war seinerzeit ganz klar der Preis – reine NAS-Gehäuse waren im Vergleich mindestens doppelt so teuer. Doch mittlerweile hat die, mit 4 x 1Terabyte fassenden Festplatten ausgestattete, Quadstore (wovon dank RAID 5 tatsächlich nur 3 TB nutzbar sind) Ihr Datenlimit erreicht. Der Austausch der 1 TB HDD-Drives gegen größere von 2 oder 3 TB schien mir nicht zielführend – und da der Wunsch nach einer ständigen Verfügbarkeit der Daten von überall auf der Welt aufkam, auch nicht mehr zeitgemäß.

    QNAP ProgrammeEs war damit klar: die Quadstore von Buffalo bekam Ihr Gnadenbrot in meiner IT-Landschaft und eine NAS musste jetzt her – aber welche? Anbieter gibt es mittlerweile viele – und doch gibt es Unterschiede im Funktionsumfang. Einige haben die wichtigsten Grundfunktionen; andere wiederum sind so etwas wie die eierlegende Wollmilchsau, die mehr Funktionen bieten als selbst der verwöhnteste User braucht. Auch in der Größe – bzw. in der Anzahl der verbauten Datenspeicher gibt es riesige Unterschiede. Von der nur mit einer Festplatte betriebenen Einsteigermodellen (die damit natürlich keine Sicherung bei Festplattenausfall bieten), bis zu Rackmodulen für Serverfarmen, wie beispielsweise die QNAP TES-3085U welche Platz für 30 HDDs hat und bei der bereits das Leergehäuse über 8.000,00 € kostet, reicht die Auswahl.

    Ich entschied mich mit einem hauchdünnem Vorsprung für eine NAS des Herstellers QNAP anstatt für die ebenfalls von mir in die engere Wahl gezogene SYNOLOGY. Bei beiden fiel positiv auf, dass die Webseiten sehr gut gestaltet sind – die Infos sind übersichtlich, dazu sehr umfangreich und auch die deutsche Übersetzung ist fehlerfrei; dies ist leider nicht bei jedem Hersteller selbstverständlich.

    Die von mir gewählte NAS war genauer gesagt, die TS-431P2 mit einem Annapurna Quadcore Prozessor.

    Kleiner Exkurs: Die Annapurna Labs sind ein israelisches Startup-Unternehmen, welches im Jahr 2015 von Amazon geschluckt wurde. Infos über die Annapurna Chips sind quasi nicht existent, bzw. öffentlich. Bekannt ist nur, dass die CPUs speziell für Server entwickelt wurden. Die in der TS-431P2 verbaute CPU hat zeitgemäße 4 Kerne – ist aber leider nur eine 32Bit ARM CPU-Architektur.

    Im Alltagsbetrieb merkt man von der Einschränkung, dass es sich nur um eine 32 Bit CPU handelt, fast nichts. Die CPU ist wie bereits beschrieben speziell für Server und NAS entwickelt und beinhaltet auch eine Hardwareverschlüsselung, die so schnell ist, dass es quasi keine Leistungseinbußen während der Verschlüsselung gibt.

    (Bild links: weit mehr als nur ein Datenspeicher – eine NAS kann sowohl als Webserver, Multimediaserver, MySQL Server, Überwachungskamera-Zentrale, Kontaktdatenbank, Email-Server oder vieles andere mehr benutzt werden)

    QNAP Systemsteuerung

    Dass es sich um intelligente Hardware handelt merkt man schon daran, dass die NAS-Gehäuse Hardware wie ein PC beinhalten: Mainboard, CPU, Speicherbausteine sind ebenso vorhanden wie ein Betriebssystem (überwiegend ein Linux Derivat, welches von Haus aus Case-sensitive Dateinamen mit Groß-und Kleinschreibung unterscheidet, was auf einem Speichermedium durchaus gewollt sein kann).

    (Bild links: die Systemsteuerung der QNAP TS-431P2 in der Web-Darstellung. Übersichtlich und umfangreich – hier kann man den Entwicklern ein fettes Like für gelungenes Design ins Pflichtenheft tackern)

    QNAP 431-P2Wenn man die Festplatten im RAID 5 betreiben will, benötigt man ein Gehäuse mit mindestens 3 Einschüben (in der Regel bieten Hersteller aber Gehäuse mit graden Zahlen an, womit dann zumindest ein Gehäuse mit 4 Einschüben benötigt wird). Datensicherung durch RAID 1 (dem sogenannten Mirroring, bei denen die Daten simultan auf 2 Festplatten geschrieben werden) sollte man aus Speicherplatzgründen nicht betreiben.  Immerhin sind dann 50% der Festplattenkapazität für die Sicherung vergeudet. Bei RAID 5 wird der Festplattenverschnitt umso niedriger, je mehr Platten im Verbund sind.

    Wenn Ihr mehr Info über die RAID-Technik wissen wollt, dann empfehle ich euch diesen Link auf Wikipedia – dort wird dieses doch sehr komplexe Thema umfassend behandelt. Hier im Testbericht würde eine detaillierte Erklärung die Länge des Beitrags sprengen.

    (Bild Rechts: die QNAP TS-431-P2 = Annapurna Labs Alpine AL-314 Quad-Core 1,7 GHz Cortex-A15 Prozessor, 8 GB Ram, 2x Gigabit Ethernet, 3x USB 3.0, Linux Betriebssystem – das macht sich im Preis bemerkbar. Obwohl es ein “Einsteigermodell” ist, kostet das Leergehäuse fast 400,00 € – mit 4 HDDs bestückt sind 800,00 Ocken weg; nicht grade ein Pappenstiel)


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    Die Hardware kaufte ich über die Amazon Plattform bei einem mit zahlreichen guten Bewertungen als vertrauenserweckend bestätigtem Onlinehändler. Ein paar Tage nach dem Kauf kam die Hardware in einem großen Umkarton an. Im Umkarton lag der mit Gaspolstern geschützte Verkaufskarton. Die Verkaufsverpackung war stabil und das NAS-Gehäuse war sicher in 2 großen Schaumstoff-Trägern fixiert. In einem weiteren Karton befanden sich die benötigten Kabel und Schrauben zur Befestigung der Festplatten in den Bays. Dabei waren löblicherweise sowohl eine ausreichende Anzahl Schrauben für 4 SSDs, als auch für 4 HDDs beigefügt. Das QNAP Gehäuse selber ist aus weißem Kunststoff gefertigt und entspricht sowohl von der Beschaffenheit des Kunststoffs wie auch den bei den Fertigungstoleranzen der Spaltmaße gängigen Qualitätsstandards.

    Die Haptik ist angenehm – einzig die 4 Festplattentrays wirken etwas billig – da eine NAS aber eher zu den Produkten gehört, die man einmal irgendwo platziert und danach nicht mehr in die Finger nimmt (es sei denn eine Festplatte muss getauscht werden), ist dies Thema eher zweitrangig.

    music station GUIBevor ich die Festplatten einbaute bekam die QNAP erst mal ein üppiges Speicherupdate. Der verbaute 4GB Riegel wurde gegen einen 8GB Riegel getauscht. Damit ist die NAS ausreichend schnell, selbst wenn mehrere Applikationen gleichzeitig auf der Hardware laufen.

    (Bild links: Die App MusicStation im normalen  – also “Spotlight-Modus”. Der User muss eigentlich nicht viel machen. Die QNAP bereitet ihm automatisch verschiedene Playlisten vor und streamt die dann auf das Endgerät)

    Das ist überhaupt der Mehrwert der QNAP-NAS gegenüber einer reinen “dummen” USB-Storage Lösung: will man Daten online zur Verfügung stellen, reicht es über die QNAP-Webseite einen Namen für seine QNAP zu vergeben und schon ist die NAS für jedermann über die URL “BELIEBIGER NAS-NAME.myqnapcloud.com” zu erreichen. Da man auch mehrere User anlegen kann und denen nur bestimmte Ordner freigeben, habe ich z. Bsp. meine zahlreichen Musik-MP3s für einen von mir definierten User namens “Musicuser” freigegeben. Dieser User kann nur auf die Musik zugreifen – aber dies kann er über die Benutzeroberfläche des Programms “Music Station” sehr komfortabel.

    Diese Feature ist ganz nett, wenn man seine umfangreiche Musikbibliothek anderen Usern für eine Party zur Verfügung stellen will.

    Standardmäßig bietet ihm das Programm im sogenannten “Spotlight-Modus” mehrere automatisch von der QNAP erstellte Playlisten an:

    • zufällig 100
    • kürzlich hinzugefügt
    • häufig wiedergegeben
    • am Besten bewertet
    • noch nie wiedergegeben

    Wenn der User selbst eine Playliste erstellt (diese Funktion lässt sich vom Administrator deaktivieren), kann er die sich dort auch anzeigen lassen.

    Im “verwalten” Modus kann der User dann direkt auf die Ordnerstruktur zugreifen und die umfangreiche Suche nutzen.Music-Station Verwaltungsmodus

    Da alle Befehle über das Netzwerk zur QNAP übermittelt werden, muss man leider immer mit einer kleinen Zeitverzögerung rechnen – auch das anzeigen von Dateien (grade wenn es etliche tausend sind) kann schon mal den Donut zum kreisen bringen. Trotzdem hält sich der Delay in überschaubaren Grenzen..

    (Bild rechts: die App Music Station im verwalten-Modus. Hier ist das Suchfenster zu sehen – damit sollte man eigentlich alles finden können)

    Einen nicht zu vernachlässigenden Nachteil habe ich leider auch gefunden: es ist nicht möglich, dem User, der lesenden Zugriff auf die Dateien hat, den Download der Musik-Dateien zu verbieten. Dies ist ein – leider auch rechtlich relevanter – Lapsus, der unter Umständen für den Betreiber sehr teuer werden kann.

    Dies ist ein genereller Nachteil im Betriebssystem der QNAP: man kann zwar Usern den Zugriff auf Ordner und deren Berechtigungen (lesen, schreiben, löschen, Zugriff verboten) konfigurieren, aber nicht bestimmte Tätigkeiten unterbinden. Hier wäre meiner Meinung nach, durchaus Handlungsbedarf, da es schließlich rechtlich relevant sein kann, ob ich nur das streamen von Dateien ermögliche, oder auch gleichzeitig den kompletten Download der Dateien erlaube.


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    Ansonsten sind die Programme und Apps so zahlreich, dass man fast nicht glauben kann, was für Aufgaben die NAS für einen Anwender alles erledigen kann:

    • Outlook war gestern – dank QMail-Agent, QKalender und QContacts kann man alle relevanten Termine, Kontakte und Mails zentral verwalten..
    • Torrents herunterladen? Dank dem Programm “Download Station” kein Problem. .
    • Seine Webseite selber hosten? Dank Joomla und WordPress Paketen ist man auf keinen Hoster mehr angewiesen..
    • Familienmitgliedern oder Freunden das anhören oder ansehen von Fotos, Musik oder Multimedia-Dateien ermöglichen? Music Station, Photo Station und Video Station machen’s möglich..
    • alle Dateien indizieren und bequem durchsuchen? QSirch kommt von den Funktionen an ‘Copernic Desktop-Search’ heran, weil es Dateien und deren Inhalt indiziert..
    • Überwachungskameras von überall auf der Welt steuern? Surveillance Station macht auch das (2 Kameras sind in der Lizenz enthalten – wer mehr ansteuern will, muss die Lizenz erweitern)..
    • eine eigene Wikipedia betreiben? die App “MediaWiki” ermöglicht es..
    • seine Mediendateien auf High End HiFi-Geräten abspielen? Das Media Streaming Add-on bringt deine Boxen ordentlich zum schwingen..
    • und, und, und…

    QNAP DashboardHier will ich mal mit dem aufzählen der Möglichkeiten aufhören – es gibt etliche mehr, die dann aber schon in den Business Bereich gehören.

    Ich kann jedenfalls sagen, dass der Wechsel zu der QNAP TS-431P2 NAS eine gute Entscheidung war, auch wenn sich im ersten Moment 800,00€ nach verdammt viel Geld anhört (und de facto auch ist).

    (Bild links: das Dashboard oder Info-Center der QNAP TS-431P2. Durch klick auf einen Eintrag wird der gewählte Bereich detailliert dargestellt)

    Als Resümee kann ich der QNAP TS-431P2 attestieren, dass Sie – obwohl im unteren Bereich der QNAP Produktfamilie beheimatet – alles andere als ein billiges Stück Ramschware mit abgespeckten Funktionen ist.

    Der Speicherumbau von 4GB auf 8GB brachte ein deutliches Plus an Leistung. 2 Gigabit Netzwerk-Anschlüsse bringen ebenfalls Speed. 3 x USB 3,0-Anschlüsse lassen noch ordentlich Spielraum für den Anschluss von anderer Hardware (USB-Kamera, USB-Festplatte, usw..). Der Funktionsumfang ist riesig und wird von den meisten Anwendern sicher niemals ausgereizt. Der Lüfter der QNAP ist hörbar – aber nicht störend, solange die CPU nicht allzu sehr gefordert wird. Die mechanischen Geräusche der HDDs wenn die Lese-und Schreibköpfe von den Motoren gesteuert werden, sind da lauter. Der Einbau von SSDs kann hier helfen – ist aber auch eine Frage des Geldes. Wenn aber mehrere Tasks laufen kann aus dem sanften säuseln ein heftiges Brausen werden. Empfindliche Ohren könnten dies auf Dauer doch als nervend empfinden.

    Die Benutzeroberfläche ist durchdacht und gut designet – Informationen werden sehr umfassend und übersichtlich präsentiert. Die deutsche Übersetzung ist sehr gut und bei Problemen ist der Support und das deutschsprachige QNAP-Forum nicht weit.

    Ein Kritikpunkt ist das fehlen einer Möglichkeit um bestimmte Funktionen, die ein User nicht ausführen soll zu verhindern. Nicht verschweigen darf ich allerdings ein für Media-Streamer wichtiges Manko: In Verbindung mit dem Plex Media Server gibt es häufig Warnungen, beim streamen von Filmen, dass der Server – damit ist die NAS gemeint – nicht leistungsfähig genug ist, um Videos zu konvertieren. Wahrscheinlich wäre man mit einer NAS wie der TS-451+ mit Intel CPU dann auf der sicheren Seite – allerdings ist die auch wesentlich teurer.

    Ich kann die QNAP jedenfalls trotz der hier beschriebenen Einschränkungen sehr empfehlen – wie sieht es bei Dir mit der Datensicherung aus? QNapst Du auch schon oder USBst Du noch..Zwinkerndes Smiley

    Die QNAP TS-431P2 im Test..

    Preis/Leistungsverhältnis
    Aussehen
    Verarbeitung
    Haptik
    Kompatibilität
    Installation
    Zubehör
    Geräuschentwicklung

    Ergebnis

    Die TS-431P2 ist ein NAS Einsteigermodell des bekannten Herstellers QNAP. Die Hardware macht einen relativ robusten Eindruck, obwohl das Gehäuse aus Kunststoff ist. Einen Fall vom Schreibtisch dürfte Sie wohl kaum überleben - man soll aber ja nicht gleich den Teufel an die Wand malen. Statt einer der überwiegend verbauten Intel Quadcore CPUs hat die TS-431P2 eine Annapurna Labs CPU (ebenfalls mit 4 Kernen) - seit 2015 gehört dieses israelische Startup Unternehmen zu Amazon. Infos über den Prozessor und zu den Annapurna Labs sind sehr rar. Dies sehe ich als Nachteil an auch wenn die CPU durchaus leistungsfähig ist. Die Kompatibilität ist gut - sowohl im Windows Umfeld kann Sie als Sicherungsmedium dienen, wie auch in der Apple Welt als Time Machine Backup. Der Stromverbrauch ist im Rahmen - bei 24 Stunden Dauerbetrieb aber summiert es sich auch. Hier sollte man vielleicht die Wake on Lan Funktion nutzen. Auch der Lüfter ist nicht ganz leise, wenn die CPU auf Volllast ist - da möchte man die NAS schon mal gern in einen anderen Raum stellen, weil es auf Dauer nervt.

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